Start Autoren Verlag Rosmarie Bernasconi Kurzgeschichten Rosmarie

Fabian, zehnjährig, besucht die vierte Klasse in einem kleinen Dorf weit hinten im Glarnerland. Wieder einmal sitzt er unruhig auf seiner Schulbank, wartet sehnsüchtig, bis der Schultag endlich zu Ende geht, damit er ins Freie darf. Immer wieder schaut er zum Fenster hinaus, betrachtet die wilden, durchsichtigen Regentropfen, die vor dem Fenster tanzen. Die Glocken der katholischen Kirche beginnen zu schlagen, im selben Moment läutet auch die Pausenglocke, der Unterricht ist vorbei.

In Windeseile packt Fabian seine sieben Sachen in den Schulsack, springt hoch, läuft zur Tür, reisst sie auf. Er dreht sich nochmals kurz um, ruft seiner Lehrerin zu: «Tschüss, Frau Jenny, bis morgen.» Weg ist er. Leichtfüssig rennt er die vier Treppen vom zweiten Stock hinunter und ruft begeistert: «Es regnet, es regnet, es regnet!» Frau Jenny schaut Fabian kopfschüttelnd nach, bevor sie sich von den andern Schülerinnen und Schülern verabschiedet.

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Die verwöhnte Prinzessin

Es war einmal ..., so beginnen alle Märchen. Ich will Euch ein ganz spezielles Märchen erzählen, von einer Prinzessin. Eine Prinzessin in einem Märchen ist doch ganz gewöhnlich, werden sie denken, ja schon aber Albertine ist wohl etwas aus der Art geraten! Lasst Euch überraschen! Also dann beginne ich mit der Geschichte.

Albertine, so hiess die aus der Art geratene Prinzessin, war eine verwöhnte junge Frau. Sie besass alles, was ihr Herz begehrte. Ihr Vater König Leo las ihr jeden Wunsch von den Lippen ab und unternahm alles, um ihre Wünsche zu erfüllen. Nie musste sie um etwas bitten oder kämpfen. Doch glücklich, nein das war sie nicht. Immer wieder versuchte er, mit neuen Geschenken ihr Herz zu gewinnen, doch Albertine hatte an allem etwas auszusetzen. Nichts entsprach ihren Vorstellungen, König Leo, am Rande eines Nervenzusammenbruchs, versuchte es immer wieder von Neuem, seine Tochter zufrieden zu stellen, doch es gelang ihm nicht. Fremd blieb sie für König Leo.

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Der Zug

Eine Geschichte von Rosmarie Bernasconi

Lia freut sich auf ihr Zuhause auf ihr eigenes Bett, ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. «In fast zwei Stunden werde ich in Bern sein», denkt sie, während sie auf dem Bahnsteig im Flughafen Zürich-Kloten auf den Intercity wartet.

Die achtundvierzigjährige Lia wirkt mit ihren roten kurzen Haaren und den dunkelbraunen funkelnden Augen einige Jahre jünger. Mit ihrer liebenswerten, offenen und ungezwungenen Art vermag sie die Menschen in ihren Bann zu ziehen. Eine Ewigkeit arbeitet sie schon für ein kleines Reisebüro in Zürich. Lange Zeit war sie in Las-Palmas stationiert, bevor sie vor zwei Jahren wieder in die Schweiz zurückkehrte und nun zeitweilig Reisegruppen auf die Kanarischen Inseln begleitet.

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Aktualisiert (Dienstag, den 16. März 2010 um 01:30 Uhr)

 

Eine Glarnerin zieht ins Berner Matte-Quartier

Von Rosmarie Bernasconi, eine Geschichte aus dem weissen Elefanten,Quartiergeschichten aus der Berner Matte

Im Sommer 1990 zog ich als waschechte „Ausländerin“ von Wettingen nach Bern in die Matte. Ich wusste zwar, dass Bern die Hauptstadt der Schweiz ist und ich wusste auch, wo Bern geografisch liegt, aber von einem Matte-Quartier hatte ich zuvor noch nie etwas gehört.

Mit meinem Sprachgemisch aus Glarnerdeutsch und Zürcherdialekt bin ich hier in der Matte zumindest akustisch in der Fremde. Ich werde den Bernerdialekt kaum lernen. Die gemütliche, breite und wohlklingende Berner Sprache wird für mich immer eine schöne Fremdsprache bleiben, die wie Musik in meinen Ohren klingt. Auch das Matte-Änglisch, die Geheimsprache der alteingesessenen Mätteler, wird mir unverständlich bleiben.

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Aktualisiert (Dienstag, den 29. Dezember 2009 um 02:38 Uhr)

 

Wann ist es Frühling Mami?

Ich liebe Zugfahrten. Die Bequemlichkeit eines Zuges kann kein Auto ersetzen. Entspannt sitze ich im Zug, freue mich, Zeitungen zu lesen. Zwischendurch blicke ich von meiner Lektüre auf, schaue zum Fenster hinaus, meine Gedanken schweifen in die Ferne. Wiesen, Felder, Strassen Bahnhöfe rasen an mir vorbei. Die Landschaft ist weiss. Es ist Winter geworden. Draussen muss es kalt sein, aber im Zug ist es angenehm warm.

Ich vertiefe mich wieder in die Zeitung. Das Läuten der Handy, das Piepsen von Notebooks begleiten mich auf der Fahrt von Bern nach Zürich. Das war früher angenehmer, Da gab es keine Computer und keine Handys. Man konnte ungestört im Zug sitzen und träumen, aber die moderne Technik hat Einzug gehalten. Auch ich habe selbstverständlich ein Handy, habe es aber für diese Zugfahrt abgestellt. Ich mag es nicht besonders wenn Leute im Zug telefonieren und sich damit wichtig machen.

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Aktualisiert (Dienstag, den 16. März 2010 um 01:32 Uhr)