Romanbesprechung
Der Hobbit oder Hin und zurück
J.R.R Tolkien
Bilbo Beutlin, der wohlhabende Onkel von Frodo, dem zukünftigen Helden aus der Trilogie „Herr der Ringe“ sitzt am liebsten vor seiner Hobbithöhle im behaglichen Auenland und raucht eine Feierabendpfeife. Um grössere Abenteuer macht er einen weiten Bogen, wie die übrigen Hobbits auch.
Doch eines Tages kommt Gandalf, der Zauberer zu Besuch. Ihm fehlt ein vierzehnter Mann zu einer Expedition von 13 Zwergen, seine Wahl fällt ausgerechnet auf Herrn Beutlin. Der aufgeschreckte Bilbo entschliesst sich in letzter Minute, trotz aller Befürchtungen, die Zwerge auf ihrer langen und gefährlichen Reise zum Einsamen Berg, einst Sitz der Zwergkönige, zu begleiten, den Drachen Smaug zu bekämpfen und dessen riesigen Goldschatz zu plündern.
Unterwegs in den unterirdischen Gängen findet Bilbo einen geheimnisvollen Ring und begegnet Golum. Beide werden im „Herr der Ringe“ eine wichtige Rolle spielen.
Peter Maibach (2013)
Buchinformation
J.R.R Tolkien: Der Hobbit oder Hin und zurück
Klett-Cotta, gebundene Ausgabe, 397 Seiten
ISBN 978-3-608-93818-0
Vom Himmel in die Traufe
Arto Paasilinna
Hermanni Heiskari sitzt beim Eisfischen, als er den Absturz eines Heissluftballons aus nächster Nähe mitverfolgt. Er rettet die Ballonfahrerin Lena, ein steinreiche Geschäftsfrau. Als Belohnung für ihre Rettung spendiert die Millionärin dem Naturburschen ein Jahr in Saus und Braus. Ihr Onkel Ragnar begleitet dabei Hermanni auf seinen Reisen, um ihm Stil und Lebensart beizubringen Doch so einfach ist dies nicht, die Umerziehung wird aufwändiger als erwartet.
Lena verliebt sich zudem in den ungehobelten Mann aus den finnischen Wäldern. Der aber geniesst lieber das gute Leben und die Freiheiten ebenso; ergeht es Ragnar, der stets neue Ausreden erfindet, um die Reisen weiter auszudehnen. Zudem planen die beiden minuziös die Weltherrschaft der Arbeitslosen. Lena versucht, ihren Onkel zurückzupfeifen, das Geld wird knapp, das ist aber schwieriger als erwartet.
Peter Maibach (2012)
Buchinformation
Arto Paasilinna: Vom Himmel in die Traufe
Lübbe, 271 Seiten
ISBN 978-3-431-03800-2
In einer Person
John Irving
Da sind sie wieder alle, die Zutaten, die zu einem typischen Irving gehören: Ringen, Holzfäller, Kleinstadt in Vermont, Sexualität in allen Facetten und Vorurteile sowie ein üppiger Erzählstil auf über 700 Seiten. Der Titel stammt aus Shakespeares Richard II: „So spiele ich in einer Person viele Menschen, und keine ist zufrieden“ und so ergeht es Billy Abott, einem hübschen Jungen in den 50er Jahren in einer Kleinstadt in Vermont. Billy verliebt sich in die Bibliothekarin, Miss Frost. Sie weist ihm einen Weg durch den Dschungel der Literatur und auch sonst kommen sich die beiden näher. Frost verpflichtet sich, Billy zu beschützen. Das wird auch notwendig, denn Bill schwärmt sowohl von der sportlichen Bibliothekarin und von der knabenhaften Schulkollegin Elaine als auch für einen machohaften Ringer. Bald stellt sich heraus, dass nichts so ist wie es scheint: Billys Grossvater spielt leidenschaftlich Frauenrollen im Lokaltheater, Frost war früher ein Ringer und ist jetzt Transgender, Elaine fühlt sich zu Frauen hingezogen lebt aber zwischenzeitlich mit Billy. Als inzwischen berühmter Schriftsteller in New York wirbt der bisexuelle Billy für Toleranz – so weit so gut.
Wirklich stark wird Irving im Schildern der Zeit, als in den 90er Jahren AIDS dem munteren Treiben eine tragische Wendung aufzwingt, HIV infiziert kam einem langsam vollstreckten Todesurteil gleich. Da sind sie wieder, die beinahe vergessenen Bilder von jungen Männern und angesteckten Frauen, die an der Seuche elend zu Grunde gehen, die Sterbehospize, an die Angst. Billy bleibt verschont und kehrt als Lehrer zurück nach Vermont, in das Haus seines Grossvaters und inszeniert als Teilzeitlehrer Romeo und Julia.
Peter Maibach (2012)
Buchinformation
John Irving. In einer Person
Roman Diogenes
Kartoniert, 725 Seiten
ISBN 3-257-06838-7
Zwei an einem Tag
David Nicholls
Am Abend nach der Abschlussfeier, in ihrem College in Edinburgh, verbringen Emma und Dexter eine gemeinsame Liebesnacht in Emmas heruntergekommener Studentenbude. Die spröde Weltverbessererin und der schöne Frauenschwarm aus reichem Haus rätseln, wo sie mit vierzig Jahren in ihren Leben stehen werden. Eigentlich scheint es klar, das sich die Wege der beiden knapp über Zwanzigjährigen bald trennen werden, zu unterschiedlich scheinen die beiden Lebensvorlagen.
Doch regelmässig einmal im Jahr, um den Jahrestag ihrer ersten Begegnung herum, spült das Leben Emma und Dexter zusammen. Während zwanzig Jahren teilen wir die Lebenserfahrungen der beiden jungen Leute. Ist Emma in Dexter verliebt? Der führt ein Leben in Saus und Braus, bis er im Laufe der Zeit auf die Verliererseite wechselt.
Emma hingegen wird nach einem zögerlichen Start Schriftstellerin. Gerade, als die beiden Liebenden sich ihre Zuneigung endlich eingestehen und ein gemeinsames Leben aufbauen wollen, nimmt die Geschichte eine neue, überraschende Wendung.
Endlich wieder einmal eine wirklich schöne Liebesgeschichte ohne überflüssige Sentimentalität, aber dennoch mit viel Herz. Fast verspürt der Lesende seinerseits Trennungsschmerz, wenn er schliesslich das Buch ausgelesen weglegen muss.
Peter Maibach (2011)
2. Rezension vom Januar 2012 - Teddy Buser
David Nicholls, Zwei an einem Tag
Immer am 15. Juli schaut der Autor hinter die Kulissen, um zu sehen, wie sich die Liebe zwischen Emma und Dexter entwickelt hat. Erstmals treffen sich die beiden 1988. Beide sind zwanzigjährig und haben sich an der gemeinsamen Schul-Abschlussfeier kennen gelernt. Sie verbringen die Nacht zusammen. Tags darauf gehen beide ihre getrennten Wege. Aber sie haben Feuer gefangen. Emma möchte mit Dexter gemeinsam durchs Leben. Dexter mit Emma eigentlich auch. Aber da gibt es doch noch so viel anderes. Und vor allem so viele andere.
Was ist ein Jahr später, was in zwei, was in fünfzehn Jahren? Werden die beiden je richtig zusammen kommen? Wird die Liebe, die zwischen den beiden entstanden ist, je richtig gelebt? Die beiden, die sich mal gefunden haben, finden oder verpassen sich immer wieder, versuchen, das Glück festzuhalten. Emma, die Standfestere meistens stärker als Dexter, der Luftibus und Schwerenöter, der nicht so recht in den Ernst des Lebens findet.
Der Sehnsucht nach dem andern können sich beide nicht entziehen. Doch wenn das eine bereit wäre, hat das andere eine Beziehung zu einem neuen Partner eingegangen. Kränkungen und Enttäuschungen unterbleiben nicht, die Liebe der beiden erfährt immer neue Zerreissproben, aber auch neue Romanzen.
„Zwei an einem Tag“ ist eine wundervolle Geschichte, fesselnd geschrieben, humorvoll, faszinierend, einfühlsam, freudvoll, manchmal unsäglich traurig. Es ist die schönste Liebesgeschichte, die seit langem geschrieben wurde.
Buchinformation
David Nicholls. Zwei an einem Tag
Roman Kein & Aber
Kartoniert, 541 Seiten
ISBN 978-3-0369-5580-3