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Fritz Kobi ist in Bern schon zu Lebzeiten eine Legende. Zu seinem 75. Geburtstag präsentiert er sein neustes Werk. Anlass für ein Gespräch mit dem Autor. Hallo Fritz, du bist ein Lebemann der alten Schule und nun dieser Roman «Eins, zwei, drei und das Leben ist vorbei». Müssen wir uns Sorgen machen?
Sorgen muss man sich als Erwachsener immer machen, was aber die Sorgen um mich betrifft, übernehme ich das selber. Klar, wird mein Leben irgendwann in näherer Zukunft vorbei sein, aber glücklicherweise nicht so früh wie jenes der Opfer in meinem Roman. Also: Der Titel bezieht sich auf das Geschehen in meinem Krimi. Und – wenn du willst – ganz allgemein auf das Leben und die Kurzfristigkeit mancher Liebe.
Was ist ein „typischer Berner Krimi»?
Aktuell sind – vor allem amerikanische und skandinavische – Krimis angesagt, die hässlichste Bluttaten seitenlang schildern: Zersägte Leichen, ermordete Kinder, grausame Folterungen etc.. Teuflische Boshaftig ohne Mitleid, Blutrunst ohne Ende. Solche Schauergeschichten hinterlassen doch bei den Lesenden eine entsprechende Stimmung. Vom Guten im Menschen kaum eine Spur. Warum das so ist? – Wahrscheinlich, weil es sich auch in der Buchbranche nur noch ums liebe Geld dreht. Ein Berner Krimi hingegen soll eben «bernisch» sein: In seiner Ausstrahlung sympathisch, natürlich menschlich und – klar, etwas langsam. Deshalb aber nicht minder spannend als als das schauerliche Gemetzel.
Du bist der Sprössling einer traditionellen Eisenbahnerfamilie – hast Du deshalb auch mit 75 noch so viel Dampf?
(lacht) Wenn mein Vater mich, bereits als zwei- oder dreijährigen Strupf (wahrscheinlich als Werbeaktion für den Eisenbahnerberuf), zum Bestaunen der vorbei rasenden Schnellzüge zum Bahnhof Bümpliz Süd oder auf die Schanzenbrücke schleifte, war ich total «elektrisiert »und zitterte vor Begeisterung am ganzen Körper. Von dieser Eisenbahnkampagne blieb einzig das Interesse an der Werbung. Und der «Dampf» hat mittlerweile auch diesbezüglich nachgelassen.
1968 hast Du zusammen mit Alex Milani die Werbeagentur Contexta gegründet. Warum wurde für Dich schreiben seliger denn werben?
Ich schrieb schon während der Schulzeit Kriminalromane (handschriftlich in Schulhefte) und liess sie unter den Mitschülern kursieren. Allerdings wurden sie sehr rasch von der Lehrerschaft verboten: «Schund mit schlechten Einfluss auf die andern Schüler». Schreiben blieb indes meine Passion und wurde schliesslich zu meinem Beruf. Die Werbung lebt von Bild und Text, ist also eines der spannenden Tätigkeitsfelder für Schreiberlinge.
Deine Romane haben zwar meist autobiografische Züge, aber die eigentliche Autobiografie ist noch ausstehend. Wann dürfen wir diese erwarten?
Ich schrieb eigentlich nie über mich, sondern über Dinge, die mich berührt und interessiert haben. Zudem war und bin ich der Überzeugung, dass nur Egozentriker Autobiografien schreiben. Dazu kommt, dass ich meine bewegte, wenn nicht gar wilde, Vergangenheit nicht allen unter die Nase reiben möchte. Von mit ist also sicher keine Autobiografie zu erwarten, ich will schliesslich niemanden langweilen. Im Moment schreibe ih an einer Geschichte die sich in vierzig Jahren in Europa abspielt. Und da wird alles ziemlich anders sein als in der Gegenwart – und von mir nicht mehr die leiseste Spur.

Dieses Interview erschien im Bärn Magazin, geführt von Michéle Freiburghaus, November 2013