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Wolfgang Herrnhof

Buchcover TschickDie schwierigen Jahre zwischen Kindheit und Mann werden verbringt Maik meist alleine: die Mutter steckt als Alkoholkranke regelmässig in Entziehungskuren, der Vater, ein gescheiterter Immobilienhändler, sucht Trost bei seiner jungen, hübschen Assistentin. Auch in der Schule ist Maik Klinberg wenig beliebt, seine Schüchternheit wird ihm als Arroganz zur Last gelegt.

So findet sich Maik zu Beginn der Sommerferien alleine zu Hause, sein heimlicher Schwarm hat ihn nicht zur Geburtstagsparty eingeladen, einzig die Spielkonsole verspricht etwas Abwechslung in den kommenden Wochen.

Da drängt sich Tschick, ein junger Russe und ebenso Aussenseiter wie Maik in seine Langeweile. Die beiden Burschen knacken einen Lada und begeben sich auf eine verrückte Reise in die Walachei, zu Tschicks Grossvater. Der nun folgende „Roadmovie“ wird durch eine Reise in den Osten, aber auch in die innere Wertewelt der beiden jungen Männer, spannend und überraschend. Entsprechend hart ist der Aufprall in der Realität nach einem Autounfall. Die leichte und scheinbar unbeschwerte Reise endet vor dem Richter.

Peter Maibach (2011)


Buchinformation

Tschick
Wolfgang Herrnhof
Rowohlt Berlin
gebundene Ausgabe 253 Seiten
ISBN 978 3 87134 710 8

Philip Roth, Nemesis

nemesisEs ist schlimm, was Mr. Cantor, der junge Sportlehrer im Sommer 1944 erleben muss. Seine Alterskollegen kämpfen in Europa gegen die Deutschen, er aber wurde vom Aushebungsausschuss verschmäht wegen seiner Kurzsichtigkeit. So kommt es, dass er im Sommer während der Ferien den Sportbetrieb an seiner Schule aufrecht erhält und miterleben muss, wie ein Kind nach dem andern Kinderlähmung bekommt. Die Polioepidemie greift um sich. Täglich kommen neue Fälle dazu. Manche kommen, wenn ihre Atemwege in Mitleidenschaft gezogen sind, in eiserne Lungen. Andere bleiben Zeit ihres Lebens an Armen, Beinen gelähmt. Viele sterben schon kurz nach der Ansteckung.

Mr. Cantor wechselt in ein Sommercamp. Dort ist auch seine Verlobte angestellt. Noch ist die Polio nicht dorthin gelangt. Doch das ändert sich bald. Mr. Cantor konstatiert entsetzt, dass wahrscheinlich er es ist, der die Kinderlähmung ins Lager gebracht hat. Ein Kind nach dem andern erkrankt, stirbt. Schliesslich trifft es auch Mr. Cantor selbst. Mehr als ein Jahr muss er im Spital liegen, wird später von seiner Grossmutter hochgepäppelt. Er bleibt gelähmt. Seine Beine und sein linker Arm sind nur noch Streichhölzer. Cantor verfällt ins Grübeln, gibt sich die Schuld - und Gott, der es zulässt, dass viele seiner Schützlinge gelähmt sind oder in jungen Jahren sterben, der es zuliess, dass er Cantor, einen Dieb als Vater hatte, dass seine Mutter bei seiner Geburt starb und seine Grosseltern ihn gross ziehen mussten. Und der es auch zulässt, dass seine Kollegen im Krieg ihr junges, hoffnungsvolles Leben lassen müssen.

Philip Roth, der öffentlich bekennt, nicht an Gott zu glauben, lässt seine Hauptfigur an der Existenz Gottes und an einer von höherer Macht gelenkten Gerechtigkeit zweifeln. Verzweifeln. „Nemesis – Schicksal“ ist ein starker Roman, ein aufwühlender Roman. Freude wird in Leid verwandelt, in unsägliches Leid, dem nur entrinnen kann, wer stark ist und darauf verzichtet, Schuldige zu suchen und Schuldzuweisungen zu machen.

Teddy Buser (2011)

Buchinformation

Philip Roth, Nemesis
Gebundene Ausgabe
IBSN 978-3-446-23642-4
219 Seiten


Elke Vesper (www.elkevesper.ch)

Buchcover: Die Wege der WolkenrathsHamburg im Mai 1933. Die Familie Wolkenrath lebt im grossen Haus an der Kippingsstrasse ein bürgerliches Leben. Wie überall in Deutschland wirft das Regime der Nationalsozialisten immer stärkere Schatten. Hitler will den Krieg und die Machthaber bereiten das Land darauf vor. Elke Vesper nimmt uns mit in die Kippingstrasse, wo die Umwälzungen den Alltag prägen: Der Veteran aus dem ersten Weltkrieg, unglücklicherweise ein mit einer Arierin verheirateter Jude, ein behindertes Kind, Kriegsgewinnler, Denunzianten und begeisterte Regimeanhänger, ein jüdischer Arzt – Verfolgte, Opfer und Täter bevölkern diese Epoche der Familiensaga. Der gesellschaftliche Riss geht quer durch die Hamburger Familie, wird immer breiter. Die meisten Frauen in der Familie stehen dem Hitler-Regime kritisch gegenüber, unterstützen Opfer und verstecken Verfolgte. Die Männer hingegen sind begeistert von der neuen Zeit, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen.

So ist für reichlich Konfliktstoff gesorgt. Was ist stärker: die Einflüsse der Zeit oder die Kraft, die in der Familie steckt? Liebe und Dramen, Freude, Leid, alles was dazugehört steckt zwischen den Buchdeckeln.

Die Familie ist erfunden, die Ereignisse der Zeit sind aber recherchiert und belegt. Gerade diese Einblicke in den Alltag, in die kleinen Ereignisse, die sich aus der hohen Politik ableiten, machen einen Besuch bei den Wolkenraths wertvoll, sind ein guter Grund, in die Leben von Lysbeth, Aaron, Stella, Jonny, Käthe, Alexander, Angela, kurz den Wolkenraths, einzutauchen.

Die  „Wolkenrath-Familiensaga“ besteht aus drei Romanen: "Die Frauen der Wolkenraths", dieser geht nahtlos in den Folgeband „Die Träume der Töchter“ und dann in „Die Wege der Wolkenraths“ über.

Peter Maibach (2011)



Buchinformation

Elke Vesper: Die Wege der Wolkenraths
Gebundene Ausgabe, 557 Seiten
Krüger – Verlag
ISBN 978-3-8105-2292-4

cover_bergeSieben Berge - Roman

Rosmarie Bernasconi  und Peter Maibach

Kaufen! Sie erstehen sich eine interessante, spannende Geschichte, ein Buch, das von liebenswerten, lebens- und abenteuerlustigen, verantwortungsvollen Menschen handelt.

Zugegeben – ich war skeptisch. Ich habe noch wenige Bücher gelesen, bei denen zwei Autoren gemeinsam ein Buch in einen wirklich lesbaren Fluss brachten. Rosmarie Bernasconi und Peter Maibach ist es gelungen. Sie geben ihren Figuren Charakteranlagen, mit denen der Leser gut zurecht kommt, sich mit der Verschiedenartigkeit der Menschen, mit ihren Eigenarten, Vorzügen und Schwächen identifizieren kann.

Stechend scharf erscheinen die beiden Hauptpersonen auf ihrer Reise durch ihre eigene Geschichte, manchmal vereint, dann wieder getrennt oder parallel. Da die quirlige Sophie – dort der beschaulichere Jakob. Sie begegnen sich erstmals im zarten Kindesalter im Bergdorf Toss. Sophie ist die Tochter des Ferienhausvermieters, Jakob der Sohn einer Familie aus der Stadt, die jedes Jahr am gleichen Ort Ferien macht. Sie mögen sich sehr die beiden, sie scheinen füreinander geschaffen zu sein.

Aber zunächst wollen die Hörner abgestossen werden. Sophie will hinaus in die weite Welt. Ihre Stationen sind Bern, Zürich, Lanzarote, London, New York. Überall macht sie Bekanntschaften, hat ihre Liebschaften, wird eine berühmte Fotografin.  Jakob hingegen fühlt sich mehr und mehr dem Dorf zugetan, erfindet eine Doppelklammer, die ihm soviel Geld einbringt, dass er sich in Toss wohnlich einrichten kann. Er sehnt sich nach Sophie, muss aber betrübt feststellen, dass sie immer wieder einen andern Liebhaber um sich hat. Deshalb schaut auch er sich nach intimer, weiblicher Gesellschaft um, was im Dorf, dem die Bewohner abhandenkommen, natürlich auffällt.

Als Spekulanten Toss zu einem Touristenmekka aufmöbeln wollen, setzt sich Jakob zusammen mit den verbliebenen Dorfbewohnern erfolgreich zur Wehr. Toss soll eine Oase der Ruhe und Erholung bleiben. Ein Grund für Sophie, der Hektik zu entsagen. Sie kehrt nach Toss zurück, in ihr umgebautes Elternhaus. Und das von den Lesenden von Anfang an erwartete Happy-End scheint Tatsache zu werden. Aber lesen Sie selbst. Die Autoren haben sich einen überraschenden Ausgang ausgedacht.

Teddy Buser (2010)


Buchinformation

Rosmarie Bernasconi  und Peter Maibach, Sieben Berge
Verlag EInfach Lesen, Bern
Taschenbuch IBSN 978-3-9523718-1-7
281 Seiten
CHF 25.-