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Philip Roth, Nemesis

nemesisEs ist schlimm, was Mr. Cantor, der junge Sportlehrer im Sommer 1944 erleben muss. Seine Alterskollegen kämpfen in Europa gegen die Deutschen, er aber wurde vom Aushebungsausschuss verschmäht wegen seiner Kurzsichtigkeit. So kommt es, dass er im Sommer während der Ferien den Sportbetrieb an seiner Schule aufrecht erhält und miterleben muss, wie ein Kind nach dem andern Kinderlähmung bekommt. Die Polioepidemie greift um sich. Täglich kommen neue Fälle dazu. Manche kommen, wenn ihre Atemwege in Mitleidenschaft gezogen sind, in eiserne Lungen. Andere bleiben Zeit ihres Lebens an Armen, Beinen gelähmt. Viele sterben schon kurz nach der Ansteckung.

Mr. Cantor wechselt in ein Sommercamp. Dort ist auch seine Verlobte angestellt. Noch ist die Polio nicht dorthin gelangt. Doch das ändert sich bald. Mr. Cantor konstatiert entsetzt, dass wahrscheinlich er es ist, der die Kinderlähmung ins Lager gebracht hat. Ein Kind nach dem andern erkrankt, stirbt. Schliesslich trifft es auch Mr. Cantor selbst. Mehr als ein Jahr muss er im Spital liegen, wird später von seiner Grossmutter hochgepäppelt. Er bleibt gelähmt. Seine Beine und sein linker Arm sind nur noch Streichhölzer. Cantor verfällt ins Grübeln, gibt sich die Schuld - und Gott, der es zulässt, dass viele seiner Schützlinge gelähmt sind oder in jungen Jahren sterben, der es zuliess, dass er Cantor, einen Dieb als Vater hatte, dass seine Mutter bei seiner Geburt starb und seine Grosseltern ihn gross ziehen mussten. Und der es auch zulässt, dass seine Kollegen im Krieg ihr junges, hoffnungsvolles Leben lassen müssen.

Philip Roth, der öffentlich bekennt, nicht an Gott zu glauben, lässt seine Hauptfigur an der Existenz Gottes und an einer von höherer Macht gelenkten Gerechtigkeit zweifeln. Verzweifeln. „Nemesis – Schicksal“ ist ein starker Roman, ein aufwühlender Roman. Freude wird in Leid verwandelt, in unsägliches Leid, dem nur entrinnen kann, wer stark ist und darauf verzichtet, Schuldige zu suchen und Schuldzuweisungen zu machen.

Teddy Buser (2011)

Buchinformation

Philip Roth, Nemesis
Gebundene Ausgabe
IBSN 978-3-446-23642-4
219 Seiten


Steve Tesich

Buchcover EIn letzter SommerDaniel und seine beiden engsten Freunde haben die High School abgeschlossen, ein letzter gemeinsamer Sommer steht bevor, dann werden ihre Wege auseinandergehen. Hinaus in die Welt, fliehen vor dem kleinbürgerlichen Mief zu Hause oder einen Job in der lokalen Ölraffinerie in East Chicago annehmen, niemand will sich so recht entscheiden.

Daniel verliebt sich in die eigenwillige Rachel, die vor kurzem mit ihrem Vater in das Revier der jungen Männer gezogen ist. Er projiziert seine ganze Liebe und Lebenserwartung auf die junge, eigenwillige Frau, vernachlässigt seine Freunde, weicht seinem todkranken Vater aus, wo es nur geht. Die Liebe zu Rachel lässt ihn alles vergessen, er schiebt seine Freunde zur Seite. Bis der Vater, zum Sterben nach Hause zurückgekehrt, wie aus Bösartigkeit beginnt in Davids Liebe Zweifel einzustreuen. Schrittweise rückt die bizarre Zuneigung zu Rachel in ein anderes Licht. Je weiter Daniel in ihr Lebensgeheimnis eindringt, desto ähnlicher wird er in seinem Drängen dem verhassten Vater.

Um Ordnung in seine Gedankenwelt zu bringen, um die Stimmen im Kopf zum Schweigen zu bringen, greift Daniel zu unzähligen leeren Tagebüchern, für jeden Menschen in seinem Umfeld beginn er eine Biografie zuschreiben, die auf ihn abgestimmt ist. Es ist seine Art, von diesem einen seltsamen Sommer Abschied zu nehmen, und so ging er in die Welt hinaus.

Peter Maibach (2011)


 

Buchinformation

Steve Tesich: Ein letzter Sommer
List Taschenbuch, 491 Seiten
ISBN 978-3-548-60678-1

Hansjörg Schertenleib, Cowboysommer

cowboysommerBoyroth ist ein schillernder Teenager, interessanter als andere, charismatischer, mutiger, und völlig unangepasst. Auch Hanspeter ist von ihm begeistert, sie werden Freunde, teilen ihre Vorlieben für frisierte Motorfahrräder, Led Zeppelin, Canned Heat, und sie spielen beide Fussball bei den Junioren des FC Blue Stars Zürich. Boyroth besser als die meisten andern. Boyroth hat auch eine interessante Schwester, Yolanda. Sie geht Hanspeter nicht aus dem Sinn, obwohl sie mit einem andern zusammen ist. Man zählt das Jahr 1974, ein Zeitalter der Rebellion, der Hippies, der Absage an das spiessige Leben der Eltern. „Man“ lebt anders, denkt anders, will anders sein. Jede Demo während der Zürcher Unruhen wird besucht. Logo!

Das geht alles gut - bis zu jenem fürchterlichen Töff- Unfall, bei dem Boyroths Schwester und ein weiterer Freund der Gruppe, Fabio, den Tod finden. Hanspeter ist nicht dabei, er hatte sich vorher auf einen Trip nach Nordeuropa davon gemacht. Der Unfalltod der beiden jungen Menschen verändert alles. Die Situation, die Menschen, das Zusammenleben. Die Werte verschieben sich, die Trauer und der Schock über den unerwarteten Verlust, die immer wiederkehrenden Fragen über die Schuld bringen die bisherige Lust an gemeinsamen Aktivitäten und am Rebellieren zum Schweigen. Yolanda und Fabio sind tot, Boyroth ist nicht mehr der Alte. Die Wege von Boyroth und Hanspeter trennen sich. Sporadisch begegnet man sich wieder. Kurze Momente lang meldet sich die alte Vertrautheit. Aber die Freude kann nur kurz sein. Das Leben hat die Freunde auseinander dividiert.

„Cowboysommer“ scheint stark autobiographisch geprägt zu sein. Wie Hanspeter, die Ich-Figur im Buch, absolvierte auch Hansjörg Schertenleib in den siebziger Jahren eine Schriftsetzerlehre, unternahm in jungen Jahren Reisen in den Norden Europas. Heute lebt Schertenleib in Zürich und in Irland. Er schreibt in einer sachlich- flüssigen Sprache. Was er in „Cowboysommer“ schildert, erinnert an eigene mehr oder weniger geglückte Fluchtversuche aus der engen Kiste der Kindheit und des Erwachsenwerdens.

Teddy Buser (2011)



Buchinformation

Hansjörg Schertenleib, Cowboysommer, Gebundene Ausgabe
IBSN 978-3-351-003321-7, 244 Seiten


Sarah Lark, Das Gold der Maori

maoriDieser hinreissende Roman führt uns in die Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Armut in Irland den Leuten nichts anderes übrig liess, als die Grasspitzen zu essen, um überleben zu können. Weh dem, der ein paar Getreideähren stahl, um für sich und seine Familie ein wenig Mehl für ein dünnes Brot zu backen. Dem erging es wie Michael - er wurde verbannt und nach Australien, dem wenige Jahrzehnte zuvor entdeckten Kontinent auf dem südlichen Teil der Weltkugel, deportiert. Zurück blieb oft die darbende Familie oder – wie im Fall von Michael – die schwangere Geliebte Kathleen. Gegen ihren Willen musste sie einen Viehhändler heiraten und mit ihm nach Neuseeland auswandern.

Mit Hilfe von Lizzie, die in England ihr Brot aus Not als Prostituierte verdient hatte, gelang Michael die Flucht aus der Strafkolonie in Australien. Beide erreichten schliesslich auf getrennten Wegen Neuseeland, fanden aber immer wieder zusammen.  Die einfallsreiche Lizzie kam besser zurecht als Michael, musste aber auch immer Rückschläge in Kauf nehmen. Sie machte die Freundschaft mit den einheimischen Maori, lernte von ihnen ihre Sprache, ihre Weisheiten und ihre Gelassenheit. Die Liebe zwischen Michael und Lizzie wächst. Auch Lizzie wird von Michael schwanger, doch da taucht plötzlich Kathleen, die ganz grosse Liebe aus der alten Irlandzeit auf. Das Schicksal nimmt seinen Lauf…

Sarah Lark ist eine grandiose Geschichte gelungen, eine Familiensaga mit unerwarteten Schicksalswendungen, aber auch ein historisch wertvoller Roman, der von einer Zeit voller Grausamkeiten erzählt und dazu tiefe Einblicke in Brauch, Sitten und Philosophie der Maori gewährt, für die ihr Land und die Nahrung, die es ihnen gibt, wertvoller ist als alles Gold, hinter dem die Fremden aus Europa her sind.

Teddy Buser (2011)

 


 

Buchinformation

Sarah Lark,Das Gold der Maori
Taschenbuch
IBSN 978-3-7857-6024-6
749 Seiten