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Robert Goolrick
Eine verlässliche Frau

goolrick_robertSie gab sich aus als eine verlässliche Frau, denn der reiche Mann aus Wisconsin suchte in seinem Inserat eine solche. Ralph Truitt, dem grosse Ländereien und Fabriken gehörten, sehnte sich nach Jahren der Entsagung nach Liebe, Treue, Verlässlichkeit. Die Frau, die ihm antwortete und kam, und sich obendrein auch noch als „einfach und ehrlich“ bezeichnete, war aber alles andere als verlässlich. Das merkte er bereits, als er sie am Bahnhof abholte und feststellte, dass die lebendige Frau, die sich ihm als Cathrine Land vorstellte, nicht die Frau auf dem Bild war, das sie ihm gesandt hatte.

In Tat und Wahrheit war Cathrine Land eine Frau mit einer ziemlich unehrenhaften Vergangenheit, die nichts anderes zum Ziel hatte als das langweilige Wisconsin so rasch wie möglich als reiche Witwe wieder verlassen zu können. Aber auch Ralph Truitt war in seinem früheren Leben kein Kind der Traurigkeit gewesen. Er hatte ein ausschweifendes Leben gelebt und sich grosse Schuld aufgeladen. Er hatte gewissermassen den Tod seiner jungen Frau auf dem Spiel und mit arger Brutalität seinen Sohn vertrieben.

Mit Cathrine Land hofft er, der Einsamkeit und Lieblosigkeit zu entfliehen und ein neues, harmonisches Leben führen zu können. Aber es entwickelt sich ein Ränkespiel der bösartigen Art. Alte Geschichten werden aus der Versenkung geholt, Erinnerungen, welche sich einem ins Herz fressen. Geschichten von Müttern, die ihre Kinder misshandeln, von Vätern die zu früh oder zu spät gestorben waren, von Menschen, die einander so verletzten, dass irreparable Schäden entstanden. Cathrine trachtet ihrem reichen Mann nach dem Leben. Misstrauen macht sich breit, aber auch Leidenschaft und ungehemmter Sex. Und schliesslich doch noch eine Art Zuneigung, mit der niemand gerechnet hatte.

„Eine verlässliche Frau“ ist ein Buch von Leidenschaften, Intrigen, Hass, Rache und Todesangst, aber auch von Liebe und Reue. Es ist eine explosive Gesellschaftsstory, die einem den Atem raubt.

Teddy Buser (2011)


Buchinformation:

Robert Goolrick
Eine verlässliche Frau
Gebundene Ausgabe
IBSN 978-3-442-75272-0
351 Seiten

Philip Roth, Nemesis

nemesisEs ist schlimm, was Mr. Cantor, der junge Sportlehrer im Sommer 1944 erleben muss. Seine Alterskollegen kämpfen in Europa gegen die Deutschen, er aber wurde vom Aushebungsausschuss verschmäht wegen seiner Kurzsichtigkeit. So kommt es, dass er im Sommer während der Ferien den Sportbetrieb an seiner Schule aufrecht erhält und miterleben muss, wie ein Kind nach dem andern Kinderlähmung bekommt. Die Polioepidemie greift um sich. Täglich kommen neue Fälle dazu. Manche kommen, wenn ihre Atemwege in Mitleidenschaft gezogen sind, in eiserne Lungen. Andere bleiben Zeit ihres Lebens an Armen, Beinen gelähmt. Viele sterben schon kurz nach der Ansteckung.

Mr. Cantor wechselt in ein Sommercamp. Dort ist auch seine Verlobte angestellt. Noch ist die Polio nicht dorthin gelangt. Doch das ändert sich bald. Mr. Cantor konstatiert entsetzt, dass wahrscheinlich er es ist, der die Kinderlähmung ins Lager gebracht hat. Ein Kind nach dem andern erkrankt, stirbt. Schliesslich trifft es auch Mr. Cantor selbst. Mehr als ein Jahr muss er im Spital liegen, wird später von seiner Grossmutter hochgepäppelt. Er bleibt gelähmt. Seine Beine und sein linker Arm sind nur noch Streichhölzer. Cantor verfällt ins Grübeln, gibt sich die Schuld - und Gott, der es zulässt, dass viele seiner Schützlinge gelähmt sind oder in jungen Jahren sterben, der es zuliess, dass er Cantor, einen Dieb als Vater hatte, dass seine Mutter bei seiner Geburt starb und seine Grosseltern ihn gross ziehen mussten. Und der es auch zulässt, dass seine Kollegen im Krieg ihr junges, hoffnungsvolles Leben lassen müssen.

Philip Roth, der öffentlich bekennt, nicht an Gott zu glauben, lässt seine Hauptfigur an der Existenz Gottes und an einer von höherer Macht gelenkten Gerechtigkeit zweifeln. Verzweifeln. „Nemesis – Schicksal“ ist ein starker Roman, ein aufwühlender Roman. Freude wird in Leid verwandelt, in unsägliches Leid, dem nur entrinnen kann, wer stark ist und darauf verzichtet, Schuldige zu suchen und Schuldzuweisungen zu machen.

Teddy Buser (2011)

Buchinformation

Philip Roth, Nemesis
Gebundene Ausgabe
IBSN 978-3-446-23642-4
219 Seiten


Steve Tesich

Buchcover EIn letzter SommerDaniel und seine beiden engsten Freunde haben die High School abgeschlossen, ein letzter gemeinsamer Sommer steht bevor, dann werden ihre Wege auseinandergehen. Hinaus in die Welt, fliehen vor dem kleinbürgerlichen Mief zu Hause oder einen Job in der lokalen Ölraffinerie in East Chicago annehmen, niemand will sich so recht entscheiden.

Daniel verliebt sich in die eigenwillige Rachel, die vor kurzem mit ihrem Vater in das Revier der jungen Männer gezogen ist. Er projiziert seine ganze Liebe und Lebenserwartung auf die junge, eigenwillige Frau, vernachlässigt seine Freunde, weicht seinem todkranken Vater aus, wo es nur geht. Die Liebe zu Rachel lässt ihn alles vergessen, er schiebt seine Freunde zur Seite. Bis der Vater, zum Sterben nach Hause zurückgekehrt, wie aus Bösartigkeit beginnt in Davids Liebe Zweifel einzustreuen. Schrittweise rückt die bizarre Zuneigung zu Rachel in ein anderes Licht. Je weiter Daniel in ihr Lebensgeheimnis eindringt, desto ähnlicher wird er in seinem Drängen dem verhassten Vater.

Um Ordnung in seine Gedankenwelt zu bringen, um die Stimmen im Kopf zum Schweigen zu bringen, greift Daniel zu unzähligen leeren Tagebüchern, für jeden Menschen in seinem Umfeld beginn er eine Biografie zuschreiben, die auf ihn abgestimmt ist. Es ist seine Art, von diesem einen seltsamen Sommer Abschied zu nehmen, und so ging er in die Welt hinaus.

Peter Maibach (2011)


 

Buchinformation

Steve Tesich: Ein letzter Sommer
List Taschenbuch, 491 Seiten
ISBN 978-3-548-60678-1

Hansjörg Schertenleib, Cowboysommer

cowboysommerBoyroth ist ein schillernder Teenager, interessanter als andere, charismatischer, mutiger, und völlig unangepasst. Auch Hanspeter ist von ihm begeistert, sie werden Freunde, teilen ihre Vorlieben für frisierte Motorfahrräder, Led Zeppelin, Canned Heat, und sie spielen beide Fussball bei den Junioren des FC Blue Stars Zürich. Boyroth besser als die meisten andern. Boyroth hat auch eine interessante Schwester, Yolanda. Sie geht Hanspeter nicht aus dem Sinn, obwohl sie mit einem andern zusammen ist. Man zählt das Jahr 1974, ein Zeitalter der Rebellion, der Hippies, der Absage an das spiessige Leben der Eltern. „Man“ lebt anders, denkt anders, will anders sein. Jede Demo während der Zürcher Unruhen wird besucht. Logo!

Das geht alles gut - bis zu jenem fürchterlichen Töff- Unfall, bei dem Boyroths Schwester und ein weiterer Freund der Gruppe, Fabio, den Tod finden. Hanspeter ist nicht dabei, er hatte sich vorher auf einen Trip nach Nordeuropa davon gemacht. Der Unfalltod der beiden jungen Menschen verändert alles. Die Situation, die Menschen, das Zusammenleben. Die Werte verschieben sich, die Trauer und der Schock über den unerwarteten Verlust, die immer wiederkehrenden Fragen über die Schuld bringen die bisherige Lust an gemeinsamen Aktivitäten und am Rebellieren zum Schweigen. Yolanda und Fabio sind tot, Boyroth ist nicht mehr der Alte. Die Wege von Boyroth und Hanspeter trennen sich. Sporadisch begegnet man sich wieder. Kurze Momente lang meldet sich die alte Vertrautheit. Aber die Freude kann nur kurz sein. Das Leben hat die Freunde auseinander dividiert.

„Cowboysommer“ scheint stark autobiographisch geprägt zu sein. Wie Hanspeter, die Ich-Figur im Buch, absolvierte auch Hansjörg Schertenleib in den siebziger Jahren eine Schriftsetzerlehre, unternahm in jungen Jahren Reisen in den Norden Europas. Heute lebt Schertenleib in Zürich und in Irland. Er schreibt in einer sachlich- flüssigen Sprache. Was er in „Cowboysommer“ schildert, erinnert an eigene mehr oder weniger geglückte Fluchtversuche aus der engen Kiste der Kindheit und des Erwachsenwerdens.

Teddy Buser (2011)



Buchinformation

Hansjörg Schertenleib, Cowboysommer, Gebundene Ausgabe
IBSN 978-3-351-003321-7, 244 Seiten